Im April 2026 war fair equity zum dritten Mal in Ghana. Die Reise hatte zwei Ziele: die drei abgeschlossenen Beteiligungen vor Ort prüfen und potenzielle neue Investments kennenlernen. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Eindrücke.
Rahmen der Reise
Im April 2026 reiste eine Delegation von neun Personen für eine Woche durch Ghana – von Accra über Kumasi und Suhum bis nach Tamale und Bawku. Erstmals waren auch einige Unterstützer:innen von fair equity mit dabei, die sich vor Ort ein Bild von den finanzierten Unternehmen machen wollten.

Bert Mutsaers und Lutz Hethey zu Besuch beim IDEAS Sozialprojekt in Bakwu
Lutz Hethey und Bert Mutsaers verlängerten ihren Aufenthalt eigens, um nach Bawku im Norden Ghanas an die Grenze zu Burkina Faso weiterzureisen. Dort besuchten sie das landwirtschaftliche Sozialprojekt IDEAS, das fair equity seit dem vergangenen Jahr mit 10.000 Euro jährlich unterstützt.
Auf dem Programm standen außerdem ein Treffen mit dem deutschen Botschafter Frederik Landshöft sowie zehn Gespräche mit Start-ups – drei davon wurden vor Ort besucht. Vorausgegangen war im Februar 2026 ein offener Call for Applications: Innerhalb von zwei Wochen erreichten uns über 60 Bewerbungen aus den Bereichen Food & Agriculture, Health und Education, aus denen wir zehn Unternehmen für intensive Gespräche ausgewählt haben.
Stand der drei Beteiligungen
In nur einem Jahr haben wir drei sehr unterschiedliche Beteiligungen abgeschlossen – in Profil und Instrument: Equity, Darlehen und Wandelanleihe sind alle vertreten. Medpharma ist ein klassischer Tech-Venture-Case, fairafric mit über 280 Mitarbeitenden längst ein prägender Mittelständler einer ganzen Region, Skin Gourmet steht noch ganz am Anfang. Als Zeichen unserer Partnerschaft haben wir allen drei eine fair equity Rakete überreicht.
Medpharma

Medpharma mit Gründer Yaw Asamoah & Karsten Wulf
Medpharma kombiniert Online-Konsultationen, Medikamentenlieferung und KI-gestützte Diagnostik in einer App. fair equity hat sich im November 2025 mit 250.000 US-Dollar beteiligt; weitere Investoren sind seitdem dazugekommen.

Medpharma Fulfillment Center
Bei unserem Besuch zeigte uns Gründer Stephen Yaw Asamoah erstmals den gesamten Betrieb und stellte die eigene Diagnose-KI vor. Sie wird lokal trainiert – auf westafrikanische Krankheitsbilder ebenso wie auf lokale Sprachen. Aktuell läuft sie auf Ghanaian Pidgin English; als Nächstes folgt Twi, das von rund der Hälfte der Bevölkerung gesprochen wird. Im Land sind über 80 weitere Sprachen im Alltag. Notfälle erkennt die KI eigenständig und vermittelt direkt an eine Ärztin oder den Rettungsdienst.

Medpharma stellt ihre KI vor
fairafric
fairafric stellt Bio-Schokolade „bean to bar“ vollständig in Ghana her. Die Anlage in Suhum, eine Stunde nordöstlich von Accra, beschäftigt heute über 280 Mitarbeitende und produziert mit Solarstrom vom eigenen Dach. fair equity hat im Januar 2026 die zweite Beteiligung unterschrieben. Beim Besuch zeigte uns das Team die Fabrik sowie die konkreten Pläne für die nächste Ausbaustufe.

Lutz Hethey Bernd Schmidt-Ankum und Unterstützer Max Gantenbrink zu Besuch auf einer Kakaofarm von fairafric
Skin Gourmet
Skin Gourmet, gegründet von Violet Amoabeng, produziert pflanzliche Hautpflege in Accra mit dem Ziel, die Wertschöpfung wichtiger Kosmetik-Rohstoffe in den Ländern ihres Ursprungs zu halten. Der Vertrieb erfolgt in über 30 Länder; eine Kooperative von 113 Frauen aus Nordghana liefert die Sheabutter inzwischen Bio-zertifiziert.
Violet selbst war während unseres Besuchs für zwei Messen in Paris. Ihr Team führte uns durch das Sortiment und lud zur Verkostung – die Inhaltsstoffe sind nicht nur hautverträglich, sondern essbar: Kaffee, Limonade, traditionelles Gebäck und Popcorn. Die nächste große Aufgabe ist die europäische Expansion mit entsprechender Zertifizierung und Spezialisierung der Produkte für diesen Markt.

Skin Gourmet Team
Die neue Pipeline
Als wir im Februar zum Call for Applications aufgerufen haben, hatten wir mit der Resonanz so nicht gerechnet. Doch Kapital ist in Afrika rar – weniger als ein Prozent des globalen Venture Capitals fließt in den Kontinent. Aufrufe wie dieser verbreiten sich entsprechend schnell. Nach Strategie-Filter, Abstimmung mit unseren Berater:innen vor Ort und eingeholten Referenzen haben wir zehn Unternehmen zum Interview eingeladen – drei davon besucht.
Rivia Clinics

Vanessa Ennen und Isidore Kpotufe (Gründer Rivia Clinics)
Rivia Clinics will Health Care in Ghana neu denken. Gründer Isidore Kpotufe steht mit Rivia bereits bei seiner dritten Gründung. Hintergrund: Die alltägliche ärztliche Versorgung findet in Ghana meist nicht im Krankenhaus statt, sondern in sogenannten „Clinics“ – häufig schlecht ausgestattet und unzuverlässig versichert. Rivia setzt an beiden Punkten an: Es franchised eigene Clinics mit moderner Ausstattung und einheitlichem digitalen Backend und verkauft parallel Health-Care-Pakete an Unternehmen. Diese zahlen eine jährliche Pauschale pro Beschäftigtem; ihre Mitarbeitenden können mit der Membership in jede Rivia Clinic spazieren und sich ohne Antrag oder Wartezeit behandeln lassen. Ein Detail, das den Kreis schließt: Skin Gourmet war einer der ersten Corporate-Kunden von Rivia.

Vanessa Ennen zu Besuch in einer Riva Clinic

Pure & Just
Pure & Just verarbeitet tropische Früchte – insbesondere Mango und Ananas – im klimaschonenden Trocknungsverfahren. Gründerin Yvette Tetteh hat das Unternehmen aus einer umgebauten Garage heraus aufgebaut; heute steht eine eigene Produktionsstätte in Nsawam mit über 100 Mitarbeitenden, die oberhalb der Armutsgrenze verdienen. Vermarktet werden die Frucht-Snacks vor allem in Deutschland und den Niederlanden.

Pure & Just Fabrik
Die Halle, gestapelt mit Früchten aus der Elfenbeinküste und weiteren westafrikanischen Ländern, platzt aktuell aus allen Nähten. Yvette und ihr Co-Gründer Emmanuel wollen mit einer Investition in eine größere Anlage umziehen, in der sie aus der anfallenden Biomasse selbst Energie erzeugen. Bislang ist der Betrieb auf die wackelige öffentliche Stromversorgung und einen Generator angewiesen – allein bei unserem Besuch musste er zweimal anspringen.

Das Unternehmen hat keine leichten Zeiten hinter sich: Von USAID zugesicherte Förderungen, mit denen fest geplant war, wurden mit den Kürzungen unter Donald Trump nur zur Hälfte ausgezahlt. Für ein Unternehmen, das Lieferungen darauf aufgebaut hatte, kann so ein Schnitt schnell zum Todesurteil werden. Pure & Just hat die Kurve bekommen – die Episode zeigt aber, wie weit die Folgen solcher politischen Handlungen führen können.
SAYeTECH
SAYeTECH entwickelt landwirtschaftliche Hardware für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern – Drescher, Trockner, Kakao-Pod-Brecher. Über 180 Geräte sind im Einsatz, mehr als 17.000 Bäuerinnen und Bauern in Ghana und Nigeria nutzen sie. Gründer Theodore Ohene-Botchway ist Ingenieur und hat mit den Maschinen bereits eine Reihe an Preisen gewonnen.

Sayetech Gründer
Klein- und Subsistenzbauern in der Region arbeiten nach wie vor weitgehend per Hand. Der SAYeTECH-Drescher kann nach Unternehmensangaben rund 100 Bauern pro Saison bedienen und erledigt zwei Wochen Handarbeit in zwei Stunden. Ergänzend entwickelt das Team ein IoT-System für zusätzliche Betriebsdaten. Den Marktvorteil sehen wir an zwei Stellen: SAYeTECH übernimmt die Wartung selbst und hat unmittelbaren Zugang zu kleinbäuerlichen Strukturen – etwas, das chinesischen Importeuren oder westlichen Landmaschinenherstellern oft fehlt. Wir sehen das Potenzial, die Landwirtschaft in der Region nicht nur zu mechanisieren, sondern mittelfristig zu industrialisieren. Das Unternehmen ist vielversprechend, aber noch in einem frühen Stadium.
Beobachtungen zum Marktumfeld

Stadtbild Accra
Ein Highlight dieser Reise war das Treffen mit dem deutschen Botschafter Frederik Landshöft. Er gab uns einen ausführlichen Überblick über die politische und ökonomische Lage und die jüngere Geschichte Ghanas. Besonders bemerkenswert: Die Inflation ist innerhalb eines Jahres von rund 23 auf rund 3 Prozent gefallen – eine der schnellsten Stabilisierungen weltweit. In unseren Gesprächen war ein neuer Planungshorizont der Gründer:innen deutlich spürbar.
Gleichzeitig bleibt der Markt von hohen Kontrasten geprägt: viel informelle Wirtschaft, lückenhafte Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge in vielen Regionen. Unternehmer:innen bauen oft nicht nur ein Geschäft auf, sondern Teile ihres Umfelds gleich mit – Strom, Ausbildung, Lieferketten.
Auch der Ton der Gespräche hat sich verändert: Gründer:innen suchen weniger reine Geldgeber als vielmehr Partner mit Marktkenntnis, Netzwerken und Geduld.

Bert Mutsaers, Vanessa Ennen und Karsten Wulf zu Besuch beim Botschafter Frederik Landshöft in Ghana
Ausblick
fair equity plant, bis Ende 2026 vier weitere Beteiligungen abzuschließen. Die Pipeline aus den Gesprächen dieser Reise wird in den kommenden Monaten in die Due Diligence überführt. 2027 weiten wir unser Engagement aus: Die nächste Projektreise führt nach Kenia.




