Vor wenigen Tagen ist ein Artikel über fair equity im Handelsblatt erschienen. Für uns ist das mehr als nur mediale Aufmerksamkeit – es ist ein Zeichen dafür, dass sich gerade etwas verändert: wie wir über Kapital, Wirkung und Investitionen in Afrika sprechen.
Was uns besonders gefreut hat, ist, dass unser Ansatz genau so beschrieben wurde, wie wir ihn verstehen. Nicht als klassische Entwicklungshilfe, sondern als ein Modell, das bewusst anders denkt – als „Investments statt Hilfe“.
Warum wir fair equity gegründet haben
Als wir fair equity gegründet haben, war uns klar, dass wir nicht in kurzfristigen Projekten denken wollen. Unser Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass nachhaltige Veränderung dort entsteht, wo wirtschaftliche Strukturen aufgebaut werden. Und diese entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch Unternehmen. Durch Unternehmerinnen und Unternehmer vor Ort, die Probleme verstehen, Lösungen entwickeln und daraus tragfähige Geschäftsmodelle machen.
Genau dort setzt unsere Arbeit an. Wir investieren nicht in Ideen aus der Distanz, sondern in bestehende und wachsende Unternehmen in Afrika, die reale Herausforderungen adressieren und gleichzeitig wirtschaftliche Perspektiven schaffen. Was diesen Unternehmen häufig fehlt, ist nicht unternehmerischer Wille oder Innovationskraft, sondern Zugang zu Kapital.
Unser Ansatz: Spenden als Investmentkapital
Deshalb haben wir uns für ein Modell entschieden, das zwei Welten miteinander verbindet. Wir sammeln Kapital wie eine gemeinnützige Organisation, investieren es aber wie ein Venture-Capital-Fonds. Die Erträge fließen dabei nicht zurück an einzelne Investoren, sondern werden reinvestiert, sodass ein Kreislauf entsteht, in dem Kapital langfristig im System bleibt und immer wieder neue Wirkung entfalten kann.
Ein Gedanke aus dem Artikel bringt diese Logik sehr klar auf den Punkt: „Ich kann in Afrika viel mehr bewirken als in Europa.“ Gemeint ist das nicht als moralischer Appell, sondern als wirtschaftliche Beobachtung. Kapital entfaltet dort seine größte Wirkung, wo es knapp ist – und genau dort entstehen oft auch die größten unternehmerischen Chancen.
Was wir vor Ort sehen
Unsere Erfahrungen vor Ort bestätigen das immer wieder. Wenn wir unsere Partnerunternehmen in Ghana besuchen, wird schnell deutlich, unter welchen Bedingungen dort gearbeitet wird – und gleichzeitig, mit welcher Entschlossenheit und Professionalität Unternehmen aufgebaut werden. Ein einzelner Arbeitsplatz hat dort oft eine deutlich größere Bedeutung als in etablierten Märkten, weil er nicht nur Einkommen schafft, sondern Stabilität, Zugang zu Bildung und neue Perspektiven für ganze Familien ermöglicht.
Diese Perspektive wird auch im Artikel aufgegriffen: Unternehmer Florian Schauenburg beschreibt Afrika als „den einzigen Emerging Continent, den wir noch haben“ – und bringt damit auf den Punkt, welches langfristige Potenzial viele Märkte dort bieten.
Unsere Unternehmen in der Praxis
Unsere Beteiligungen zeigen konkret, wie dieser Ansatz aussieht. Mit Medpharma investieren wir in digitale Gesundheitsversorgung, die bereits zehntausenden Menschen Zugang zu medizinischer Betreuung ermöglicht hat. Mit fairafric unterstützen wir ein Unternehmen, das die gesamte Wertschöpfung der Schokoladenproduktion nach Ghana verlagert und damit Arbeitsplätze und Einkommen vor Ort schafft. Und mit Skin Gourmet investieren wir in den Aufbau lokaler Lieferketten, die Produzentinnen stärken und gleichzeitig internationale Märkte erschließen.
Diese Beispiele stehen für uns nicht isoliert, sondern zeigen ein größeres Bild: Unternehmertum ist einer der wirksamsten Hebel für strukturellen Wandel.
Was sich gerade verändert
Gleichzeitig beobachten wir, dass das Interesse an Afrika als Investitionsstandort wächst. Immer mehr Investoren erkennen das Potenzial, gleichzeitig bestehen weiterhin Hürden – insbesondere fehlende Netzwerke, begrenzter Zugang zu lokalen Märkten und Unsicherheiten in der Bewertung von Risiken.
Auch das wird im Artikel deutlich: Laut Michael Weiss ist das Kapital grundsätzlich vorhanden – was oft fehlt, sind die richtigen Netzwerke, lokale Partner und Zugänge, um dieses Kapital wirksam einzusetzen.
Genau an dieser Schnittstelle sehen wir unsere Rolle: als Brücke zwischen Kapital und Unternehmertum vor Ort.
Unser Blick nach vorn
Für uns ist Afrika kein Randthema und auch kein reines Impact-Narrativ. Es ist ein Zukunftsmarkt mit enormer wirtschaftlicher Dynamik und unternehmerischem Potenzial. Wer heute investiert, investiert nicht nur in einzelne Unternehmen, sondern in den Aufbau ganzer Ökosysteme.
Der Artikel im Handelsblatt bestätigt für uns vor allem eines: Die Perspektive verändert sich. Und damit auch die Frage, die sich Investoren stellen sollten. Es geht nicht mehr darum, ob man in Afrika investieren kann.
Sondern warum man es nicht längst tut.





